Lernplattform

Wie halte ich es mit den Lernplattformen

Inzwischen habe ich mit diversen Lernplattformen (bscw, moodle, webweaver, lo-net, wiki) Erfahrungen sammeln können. Von den Funktionalitäten her beinhalten Lernplattformen fast das Gleiche. Ihr Anspruch: Unterstützung und Bereicherung des Lernens durch diverse digitale Werkzeug.

Im Ergebnis sind sie immer Spiegelbilder des geschlossenen Klassenraums, quasi der virtuelle Nachbau der schulischen Realität - und damit hierarchische und autoritäre Systeme, im Ergebnis häufig ein Herrschaftssystem. Ein Admin bestimmt (wieso und warum auch immer), was der Einzelne darf und nicht darf inklusive der Möglichkeit einer detaillierten Überwachung.

Das Internet ist dagegen vom Ursprung her genau das Gegenteil, eher demokratisch und partizipativ. Wenn ich mal den Fokus zunächst einmal nur auf die Lernenden richte zeigt die schulische Wirklichkeit, dass jeder Lernende durch die Smartphonenutzung perse verfügt über

  • eine E-Mailadresse
  • einen eigenen Cloudspeicher
  • ein eigenes Office (Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentation)und
  • die Möglichkeit, eigene Produkte zu teilen.

So wie wir in der analogen Schülerwelt zurecht darauf verzichten, den Schülerinnen und Schülern Schulhefte, Kugelschreiber, Bleistifte oder Locher zur Verfügung zu stellen, stellt sich die Frage, warum wir ihnen virtuelle Werkzeuge wie eine schulische E-Mailadresse, einen Speicherplatz für ihre Arbeitsergebnisse und digitalen Arbeitsblätter bereitstellen sollen.

Als Berufskolleg mit mehr als 3000 Lernenden haben wir uns immer dagegen ausgesprochen, Schülerinnen und Schüler mit E-Mailadressen zu versorgen. Nach unserer Einschätzung gehört es zur Medienkompetenz der Lernenden, sich ihre eigene personale Lernumgebung (PLE) zu erstellen und medienkompetent zu nutzen.

Und an dieser Stelle fängt nach meinen Beobachtungen schon das Problem an (ich berichte von ganz aktuellen Aspekten aus meinem Bankerunterricht). Lernende nutzen ihr Smartphone, wissen aber nicht, dass sie damit über eine (weitere) E-Mailadresse, Cloudspeicher etc. verfügen. Typische Beobachtung: Sie kennen nicht das Passwort. Sie wissen nicht, wie man analoge Medien digitalisiert, und verwaltet, wie man sichere Passwörter erstellt und vor allem auchverwaltet, wie man effektiv Notizen und Unterrichtsmaterialien verwaltet., wie man Unterrichtsinhalte sachgerecht strukturiert oder präsentiert. QR-Scanner = Neuland,. Wandplakate und Flipcharts feiern weiterhin fröhlich ihre Existenz.

Wie sieht’s bei den Lehrern aus. Sie haben zunächst einmal die gleiche Arbeitsumgebung, von der sie auch nur recht wenig wissen. Eigentlich alles analog. Dabei müssten Sie aus medienpädagogischer Sicht noch mehr wissen und können. BYOD stellt hohe Anforderungen an den Lehrer, sie müssten wissen Methoden beherrschen, Unterrichtsinhalte individualisiert zu sichern, kollaborativ zu erarbeiten und und und …Hier ließe sich noch viel schreiben.

Und für alles benötige ich zunächst einmal keine Lernplattform.

Das einzige, was ich benötige ist eine Plattform, auf der ich mich austausche. Was muss ich austauschen? Im Kern nur Links auf freigegebenen Materialien, Übungen etc., die Schüler oder Lehrer zur Verfügung stellen. Und hier kommt dann das Wiki zum Einsatz, da es nach meinem Eindruck das beste Werkzeug ist, wo man auch sprechende Links hinterlegen kann. (Ginge sicherlich auch mit einer Wordpress-Installation) Und das ginge nach eigener Erfahrung auch mit dem Wiki von webweaver oder moodle.

Will ich nun das Kollegium bei seinen Verwaltungsaufgaben und bei der Kollaboration unterstützen, brauche ich immer noch keine Lernplattform (i. S. einer Definition von Lernplattform passt das irgendwie auch nicht – so kenne ich nicht nur eine Schule, die Moodle zur Dokumentation schulischer Organisationsprozesse nutzt – ein Anachronismus.) Was aber unterstützend wirkt ist eine Dateiaustauschplattform. Hier hat sich bei uns die Cloudlösung bewährt. Eine an einem beliebigen Stichtag vorgenommene Analyse zeigte bei 124 Kollegen, dass 34 am Stichtag die Cloud genutzt haben, 57 in der vergangenen Woche und nur 5 die Cloud überhaupt noch nicht genutzt haben. Welches andere System kann solch eine Akzeptanz im Kollegium nachweisen?

Was benötigen wir also als Schule zur Wahrnehmung der Verwaltungsaufgaben? Ein datenschutzgerechtes Mailsystem (insofern passt Logineo), eine Cloudlösung wie z.B. die ucloud, eine Kalenderfunktion und ein Buchungssystem ergänzt auch hier um einen Wiki.

Alles andere ist Overhead. Hier passt eigentlich eine Analogie zur Textverarbeitungssoftware. Wieviel % nutzt der normal User von Word? Wenn es hoch kommt nach vielfacher Rückmeldung – 25 %. Wer nutzt Moodle oder vergleichbares in der Schule? Der Wert liegt mit Sicherheit nicht höher.

Nachwort: Jetzt habe ich doch mehr Zeit und mehr Gedanken für eine Rückmeldung verbraucht. Ich frage mich, ob meine Antwort zu Deinen Hinweisen passt. Bin gespannt auf eure Rückmeldungen.

VG Wolfgang

PS: Ich bin gegen Tracking jeglicher Art. Und ich halte es aus Datenschutzgründen für geboten, dass bei Logineo E-Mails nicht weitergeleitet werden dürfen.